Samtkrankheit bei Fischen

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Die Samtkrankheit wird ausgelöst von dem Erreger Piscinoodinium und ist auch unter der Bezeichnung Oodinium bekannt, ein Dinoflagellat, der eine Größe von 0,1 bis 0,3 mm erreicht. Die befallenen Fische sind von einem samtigen Goldstaub überzogen. Da dieser nicht leicht zu erkennen ist, wird er nachts mit Hilfe einer Taschenlampe oder durch Halten des Fisches in Längsrichtung gegen das Licht sichtbar gemacht. Die befallenen Fische sondern verstärkt Schleim ab, wobei die Schleimhaut sich unter Umständen sogar ganz löst. Stark erkrankte Fische schnappen nach Luft und bekommen einen dunklen Kopf und Rücken. Die befallenen Fische zeigen ein auffälliges Verhalten, schnappen verstärkt nach Luft, fressen nicht mehr, magern ab, klemmen die Flossen und verstecken sich.

Piscinoodium ist ein Dinoflagellat, der bis 0,1 mm groß werden kann und ist damit wesentlich kleiner als der Erreger der bei Aquarianern mit Recht ebenso gefürchteten Weißpünktchenkrankheit. Oft wird die Erkrankung zurst an den Kiemenöffnungen oder an der Basis einer Flosse sichtbar. Später können auch die Augen betroffen sein. Fische, die längere Zeit befallen sind, können einen dunklen Kopf oder Rücken bekommen. Die Samtkrankheit wird oft erst erkannt, wenn der befallene Fisch auf dem Bodengrund liegt. Ohne Behandlung sterben an der Samtkrankheit innerhalb kurzer Zeit sehr viele Fische.

Der am Fisch parsitierende Erreger verankert sich mit wurzelförmigen Plasmafäden in den Flossen, der Haut oder den Kiemen der befallenen Fische. Die Erreger können auch durch den Mund in Darm und Magen eindringen und sich dort festhaken. Die Haut der Fische wird durch das Festkrallen zerstört. Die sich oft in Gruppen auf der Haut festsetzenden Erreger geben Stoffe frei, die weitere Dinosporen anlocken. Die entstandenen Wunden werden bei starkem Befall zusätzlich von Bakterien befallen, wobei Erkrankungen wie Flossenfäule und rote, entzündete, Flecken die Folge sind. Diese Entzündungen können zur Ablösung größerer Hautflächen führen. Der Erreger besitzt Chloroplasten, die Photosynthese betreiben und die vom Fisch aufgenommenen Nährstoffe ergänzen. Braune und Gelbe Karotine werden mit dem grünen Chlorophyll vermischt, wodurch der Belag die typische braun-gelbe Färbung bekommt.

Die Erreger krallen sich mit Plasmafäden in der Haut des Fisches fest. Sie können durch den Mund und den Darm auch in den Körper gelangen und dort Organe befallen. Dabei wird die Haut des Fisches stark geschädigt und es können sich Bakterien in den entstehenden Wunden festsetzen. Als Alge besitzt der Erreger Chloroplasten und färbt die betroffenen Hautpartien somit grünlich bis bräunlich. Desweiteren dient auch die Fischhaut dem Erreger als Nährstoffquelle. Die Erkrankung kann sich über mehrere Wochen hinziehen, wobei die gesamte Haut des Fisches befallen wird und er langsam stirbt. Besonders schwerwiegend ist ein Befall der Kiemen, da es dafür keine äußeren Anzeichen gibt.

Die Samtkrankheit zieht sich oft über viele Wochen hin, bis die Haut so stark mit Erregern befallen ist, dass sie sich ablöst und die Fische langsam sterben. Junge Fische sterben in kürzester Zeit an bakteriellen Folgeerkrankungen. Bei befall ausschließlich der Kiemen sterben die erkrankten Fische auch ohne sichtbare Symptome der Samtkrankheit. Noch gefährlicher wird die Samtkrankheit dadurch, dass sich die Erreger auch im Darm der Fische festsetzen können, wo sie vor Medikamenten geschützt sind. Die Samtkrankheit befällt vor allem Labyrinthfische, Barben, Killifische und Regenbogenfische. Zur Behandlung der Samtkrankheit stehen spezielle Malachitgrün enthaltende Medikamente oder Breitbandmittel gegen die Parasiten der Samtkrankheit zu Verfügung. Eine zusätzliche Behandlung gegen bakterielle Infektionen kann bei stärkerem Befall sinnvoll sein.

Nach 3 bis 7 Tagen hat der auch Trophont genannte Erreger genug Nahrung erhalten und hat sich um das 5- bis 6-fache vergrößert. Er löst sich vom Fisch ab, schwillt an und fällt auf den Boden. Dort bildet sich eine kugelförmige Zyste in der sich der Erreger teilt und durch mehrfache Teilung schließlich bis zu 256 Sporen der Tochterzellen erzeugt. Diese Sporen bilden je 2 sichtbare Geißeln aus und sind somit Flagellaten. Nur eine dieser Geißeln dient zur Fortbewegung und ragt aus der Zelle heraus. Nach 3 – 5 Tagen verlassen die Sporen die Zyste und werden danach Dinosporen oder auch Schwärmer genannt. Ohne Wirt können die Dinosporen ca. 24 Stunden überleben, sonst sterben sie ab. Wenn die Dinosporen einen neuen Wirt gefunden haben, verankern sie sich mit ihren wurzelartigen Plasmafäden in der Fischhaut. Während sie frei schwimmen, betreiben die Erreger Photosynthese. Bei Temperaturen zwischen 23° und 26° C. dauert ein vollständiger Lebenszyklus 10 – 14 Tage.